Inkontinenz – Was ist das und was können Betroffene tun?

Inkontinenz enttabuisieren und richtig behandeln

Inkontinenz ist häufig mit einem tiefen Einschnitt in die Lebensqualität verbunden. Angst vor unangenehmen Gerüchen und Situationen, Schamgefühl und Unsicherheit erschweren den Alltag. Da es vielen Betroffenen oft unangenehm ist, über die eigene Inkontinenz zu sprechen, suchen viele keinen Arzt auf – und das, obwohl mehr als 10 % der Deutschen unter Inkontinenzbeschwerden leiden. Die Dunkelziffer liegt aus den genannten Gründen vermutlich noch um einiges höher.

Es ist jedoch wichtig, dass die Betroffenen einen Arzt aufzusuchen. Denn größtenteils bessern sich die Beschwerden, wenn sie richtig behandelt werden. Hierfür ist es jedoch zunächst notwendig, zu klären, welche Ursachen die Inkontinenz hat. Denn die Behandlungsmaßnahmen müssen genau auf die jeweilige Inkontinenzform und deren Ursache abgestimmt sein. Speziell für Inkontinenz geeignete Hilfsmittel können zudem dazu beitragen, dass sich betroffene Personen wieder wohler in ihrer Haut fühlen. Ist eine medizinische Notwendigkeit gegeben, können Ärzte ihren Patienten ein Rezept für Inkontinenzhilfsmittel ausstellen. Die Krankenkasse übernimmt dann einen Großteil der für die Hilfsmittel anfallenden Kosten.

Was bedeutet Inkontinenz?

Medizinisch gesehen beschreibt der Begriff ‚Inkontinenz‘ den Verlust der Fähigkeit des Körpers, Urin und/oder Stuhl bewusst zurückzuhalten bzw. kontrolliert abzugeben. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Das Erscheinungsbild der Inkontinenz kann zudem variieren und äußert sich in unterschiedlichen Schweregraden. Unterschieden werden folgende zwei Formen der Inkontinenz:

  • Harninkontinenz: Diese Inkontinenzart ist auch unter den Begriffen Blasenschwäche oder schwache Blase bekannt. Die Begriffe bezeichnen den ungewollten Urinabgang. Bei der Harninkontinenz  handelt es sich um keine Krankheit, sondern um ein Symptom, das auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist. 
  • Stuhlinkontinenz: Diese Art der Inkontinenz ist auch unter dem Begriff Darminkontinenz bekannt. Stuhlinkontinenz bezeichnet das krankhafte Versagen der anorektalen Kontinenz. Das hat zur Folge, dass Darmwinde, flüssiger Stuhl oder gar fester Stuhl unkontrolliert abgehen.

Sowohl junge als auch ältere Menschen, Frauen und Männer, können unter den beiden genannten Inkontinenzarten leiden. Für betroffene Personen bedeutet Inkontinenz zudem oft eine seelische Belastung. Um die körperlichen und in diesem Zuge auch die seelischen Beschwerden zu verbessern, ist es wichtig, dass sich Personen bei Harn- und/oder Stuhlinkontinenz an einen Arzt/eine Ärztin wenden. Die behandelnde Person ermittelt zunächst die Ursachen für die Beschwerden, um dann geeignete Behandlungsmaßnahmen durchführen zu können. So werden etwa bei der Harninkontinenz, abhängig von der Ursache, mehrere Formen voneinander unterschieden, die verschiedener Behandlungsmaßnahmen bedürfen, damit sich die Beschwerden bessern können.

Formen der Harninkontinenz

Es werden verschiedene Formen der Inkontinenz unterschieden. Die nachfolgende Auflistung liefert einen groben Überblick über die unterschiedlichen Inkontinenzarten:

Belastungsinkontinenz/Stressinkontinenz

Bei der Stressinkontinenz kann bei körperlicher Belastung unfreiwillig Urin abgehen: Je nach Schweregrad der Belastungsinkontinenz kommt es erst bei schweren, schon bei leichten oder gar ganz ohne körperliche Belastungen zu dem ungewollten Harnverlust. 

Zwei Personen joggen durch einen Park.

Dranginkontinenz

Kennzeichnend für diese Inkontinenzform sind ein starker Harndrang und unwillkürlicher Urinverlust. Unterschieden wird zwischen der motorischen und der sensorischen Dranginkontinenz, denen wiederum mehrere Ursachen zugrunde liegen können.

Zwei Personen sitzen in einem Bus.

Mischinkontinenz

Bei Mischinkontinenztreten gleichzeitig die Symptome der Dranginkontinenz sowie der Belastungsinkontinenz auf. So leiden Betroffene unter unkontrolliertem Urinabgang bei körperlicher Belastung und unter häufigem, starkem Harndrang.

Eine Familie spielt Fußball.

Reflexinkontinenz/Neurogene Harninkontinenz

Bei einer Reflexinkontinenz kann der Harnverlust nicht bewusst vom Gehirn gesteuert werden, die Entleerung der Blase erfolgt reflexartig – ohne vorangegangenen Harndrang. Diese Form der Inkontinenz kann angeboren oder die Folge von Verletzungen bzw. Erkrankungen sein.

Überlaufinkontinenz

Bei einer Überlaufinkontinenz wird die Blase beim Wasserlassen nicht vollständig entleert. Der verbleibende Harn läuft erst dann unfreiwillig ab, wenn sich die Blase wieder gefüllt hat. Ursache kann unter anderem eine verengte Harnröhre sein.

Extraurethrale Inkontinenz

Bei extraurethraler Inkontinenz umgeht der Urinabgang die üblichen Wege des Harntraktes und erfolgt aus anderen Öffnungen als der Harnröhre, zum Beispiel über die Haut, den Anus oder die Scheide. Ausgelöst wird diese Inkontinenzform sehr oft durch Fisteln (krankhafte Verbindungskanäle, zum Beispiel zwischen Harnleiter und Darm).

Schweregrade von Inkontinenz

Ganz gleich, welche Ursachen und Symptome die Inkontinenz hat, unter der eine Person leidet: Die Stärke der Beschwerden kann unterschiedlich sein. Bei der Wahl geeigneter Inkontinenzhilfsmittel und Behandlungsmaßnahmen ist es demzufolge hilfreich, zunächst die Form der Inkontinenz und deren Schweregrad zu ermitteln.

Bei Harninkontinenz wird – abhängig von der durchschnittlich unkontrolliert abgegebenen Urinmenge in einem bestimmten Zeitraum – zwischen vier verschiedenen Schweregraden unterschieden. So ist beispielsweise bei einem Urinverlust von bis zu 100 ml innerhalb von vier Stunden von einer leichten Inkontinenz die Rede, bei über 300 ml während desselben Zeitraums läge hingegen eine sehr schwere Inkontinenz vor. 

Stuhlinkontinenz wird in drei unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Bei einer Stuhlinkontinenz Grad 1 kommt es zum unkontrollierten Abgang von Darmwinden und Darmschleim, bei einer Stuhlkontinenz Grad 3 können Betroffene hingegen sogar festen Stuhl nicht mehr zurückhalten.

Was tun bei Inkontinenz?

Betroffene sollten einen Arztbesuch nach Möglichkeit nicht aufschieben und mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin über ihre Beschwerden reden. Beim Überwinden von etwaigen Schamgefühlen kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass viele Menschen von Inkontinenz betroffen sind. Fachärzt*innen setzen sich zudem tagtäglich mit der Problematik Inkontinenz auseinander und sind darum bestens mit dem Thema sowie den Behandlungsmöglichkeiten vertraut.

Die Wahl der Behandlungsart richtet sich nach der Art und der Ursache der Inkontinenz sowie der Stärke der Beschwerden. Der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin erfragt vor Therapiebeginn auch die Lebensumstände der betroffenen Person und berät zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

So können Ärzt*innen je nach Ursache und Schwere der Inkontinenz unter anderem zu einer Behandlung durch bzw. mit Beckenbodentraining, einer Gewichtsabnahme, Medikamenten oder operativen Verfahren raten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass der Arzt/die Ärztin Inkontinenzhilfsmittel, wie etwa Einlagen oder Windeln, verordnet. Diese fangen den Urin bzw. Stuhl auf. Viele aufsaugende Produkte sind zudem geruchssicher. Mehr Geruchssicherheit bieten jedoch ableitende Inkontinenzmittel, zum Beispiel Katheter oder Urinalkondome. Ebenso tragen höherwertige Premium-Produkte zum Geruchsschutz bei. Diese erhalten Sie bei uns nach Einsendung eines Rezepts gegen eine wirtschaftliche Aufzahlung. Die Hilfsmittel können betroffenen Personen ein sicheres Gefühl geben und somit zu deren seelischen Entlastung beitragen. Die verschiedenen Therapiemöglichkeiten können oft auch miteinander kombiniert werden.