Extraurethrale Inkontinenz – Was tun bei Urinabgang aus der falschen Körperöffnung?

Umgang mit Harnverlust über Haut, Vagina oder Darm

Eine lange Auto- oder Busfahrt und plötzlich passiert es: Urin dringt durch die Bauchhaut, tropft aus der Vagina oder dem Darm. Eine extraurethrale Inkontinenz belastet die Betroffenen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ein Kino-, Theater- oder Restaurantbesuch erscheint ihnen undenkbar. Zu groß ist ihre Angst davor, dass unangenehme Gerüche zu ihren Sitznachbarn vordringen oder sich an der Kleidung nasse Flecken bilden könnten.

Um bald wieder sorgenfreier alltäglichen Aktivitäten nachzugehen, sollten betroffene Personen sich so früh wie möglich an einen Arzt/eine Ärztin wenden. Denn dieser/diese kann die Ursachen der Beschwerden ermitteln und geeignete Behandlungsmaßnahmen vorschlagen. Betroffene können zudem geruchssichere und saugstarke Inkontinenzhilfsmittel, wie etwa Pants oder Windeln, verwenden, um einem „unangenehmen Missgeschick“ vorzubeugen. 

Was bedeutet extraurethrale Inkontinenz?

Extraurethrale Inkontinenz ist eine Form der Harninkontinenz. Der Begriff „extraurethral“ bedeutet, sinngemäß übersetzt, so viel wie „außerhalb der Harnröhre“. Personen, die von einer extraurethralen Inkontinenz betroffen sind, leiden unter einem plötzlichen oder ständigen Urinabgang. Dieser erfolgt bei ihnen nicht über die normalen Wege des Harntraktes, sondern über die Haut, den Anus oder die Scheide. Frauen sind häufiger von dieser Inkontinenzform betroffen als Männer.

Ursachen dieser Inkontinenzform

Wenn Kinder an einer extraurethralen Inkontinenz leiden, kann dies unter anderem auf Fehlmündungen des Harnleiters oder Fehlanlangen der Harnröhre zurückzuführen sein. Bei erwachsenen Personen ist hingegen eine Fistelbildung die häufigste Ursache dieser Inkontinenzform. Bei Fisteln handelt es sich um krankhafte Verbindungskanäle im Körperinneren, zum Beispiel zwischen einem Organ und der Haut. Sie können unter anderem die Folge von Entzündungen, Operationen, Bestrahlungen oder Geburten sein. Unterschieden werden folgende Fistelarten:

  • Harnleiterfisteln: Bei dieser Fistelart bestehen Verbindungskanäle zwischen Harnleiter und Bauchhaut, Uterus, Vagina oder Darm.
  • Blasenfisteln: Liegen Blasenfisteln vor, hat sich zwischen Harnblase und Bauchhaut, Uterus oder Vagina eine röhrennetzartige Verbindung gebildet.
  • Fisteln der Harnröhre: Bei dieser Fistelart besteht eine Verbindung von der Harnröhre zur Haut oder zur Vagina.

Behandlung der extraurethralen Inkontinenz

Eine erworbene extraurethrale Inkontinenz erfordert immer einen operativen Eingriff, um die Fistel zu verschließen. Verlief die OP erfolgreich, sind betroffene Personen oft wieder dazu imstande, den Urin über die Harnröhre auszuscheiden. Ist die extraurethrale Inkontinenz angeboren, können die Beschwerden eventuell ebenfalls durch operative Maßnahmen behoben werden. Ob diese Möglichkeit besteht, hängt von der Art der zu behandelnden Fehlbildung ab.

Ganz gleich, ob Personen unter der angeborenen oder der erworbenen Form der extraurethralen Inkontinenz leiden: Einem „peinlichen Missgeschick“ können betroffene Personen mit saugstarken und geruchssicheren Inkontinenzhilfsmitteln, wie Windeln oder Pants, vorbeugen. Wiederverwendbare Bettschutzeinlagen verschaffen Betroffenen einen erholsameren Schlaf. Sie binden Flüssigkeit zuverlässig und schützen vor Rücknässung.