Pflegegrade für pflegebedürftige Menschen

Pflegegrade als Nachfolgeregelung für die Pflegestufen

Bis zum 31.12.2016 erhielt ein Mensch mit Pflegebedarf nach dem Pflegeversicherungsgesetz § 14 SGB XI Geld- und / oder Sachleistungen für die im Alltag notwendige Unterstützung. Die Leistungen Pflegebedürftiger waren dabei von der jeweiligen Pflegestufe abhängig, die in die Pflegstufen 0, 1, 2 und 3 unterteilt wurden. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) beurteilte vor Ort, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt und welche der Pflegestufen im individuellen Fall zutreffend ist. 

Diese Pflegestufen richteten sich jedoch nahezu ausschließlich nach den körperlichen Defiziten. Betreuungs- und Pflegebedarf bei Menschen ohne körperliche Gebrechen, beispielsweise Demenzpatienten, wurde somit deutlich weniger unterstützt und es erfolgte die Einstufung in die Pflegestufe 0, unabhängig von der Ausprägung der Einschränkung.

Die Einteilung in die Pflegestufen erfolgte nach Einschätzung des MDK entsprechend wie folgt:

Pflegestufe 0: Pflegebedarf ohne körperliche Defizite (Demenz)

Pflegestufe I: Erhebliche Pflegebedürftigkeit
Mindestens 90 Minuten Hilfebedarf, davon mehr als 45 Minuten Grundpflege

Pflegestufe II: Erhebliche Pflegebedürftigkeit
Mindestens 180 Minuten Hilfebedarf, davon mehr als 120 Minuten Grundpflege

Pflegestufe III: Erhebliche Pflegebedürftigkeit
Mindestens 300 Minuten Hilfebedarf, davon mehr als 240 Minuten Grundpflege

 

Die neuen Pflegegrade:
Individuellere Einstufung durch mehr Kriterien

Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz soll seit dem 01.01.2017 eine erhöhte Differenzierung im Pflegebedarf und den damit verbundenen Leistungen erzielt werden. Es werden unterschiedliche Kriterien für die Einstufung geprüft, bei denen körperliche Defizite ebenso berücksichtigt werden wie der betreuerische Hilfebedarf.

Die Kriterien in anteiliger Berücksichtigung:

  • Mobilität (10%)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (7,5%)
  • Psychische Problemaspekte und Verhaltensweisen (7,5%)
  • Fähigkeit zur Selbstversorgung, Präsenzbedarf Tag & Nacht (40%)
  • Fähigkeit zur selbständigen Erfüllung von medizinischen Bedürfnissen (20%)
  • Erfüllung von Alltagskompetenzen und soziale Interaktionsmöglichkeiten (15%)

Die Gradierung in die neuen Pflegegrade erfolgt über die Verteilung von Punkten.

 

Pflegegrad 1 – geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder Fähigkeiten

Gesamtwertung mit 12,5 bis unter 27 Punkten
Grundpflege zwischen 27 und 60 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: gelegentlich
Nächtliche Hilfe: nein
Präsenzbedarf am Tag: nein

Pflegegrad 2 – erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder Fähigkeiten

Gesamtwertung mit 27 bis unter 47,5 Punkten
Grundpflege zwischen 30 und 127 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: gelegentlich
Nächtliche Hilfe: 0-1x
Präsenzbedarf am Tag: nein

Pflegegrad 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz)

Gesamtwertung mit 27 bis unter 47,5 Punkten
Grundpflege zwischen 8 und 58 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: mehrfach bis häufig
Nächtliche Hilfe: nein
Präsenzbedarf am Tag: stundenweise

Pflegegrad 3 – schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder Fähigkeiten

Gesamtwertung mit 47,5 bis unter 70 Punkten
Grundpflege zwischen 131 und 258 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: mehrfach
Nächtliche Hilfe: 0-2x
Präsenzbedarf am Tag: stundenweise

Pflegegrad 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz)

Gesamtwertung mit 47,5 bis unter 70 Punkten
Grundpflege zwischen 8 und 74 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: 6x bis ständig
Nächtliche Hilfe: 0-2x
Präsenzbedarf am Tag: überwiegend

Pflegegrad 4 – schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder Fähigkeiten

Gesamtwertung mit 70 bis unter 90 Punkten
Grundpflege zwischen 184 und 300 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: mehrfach
Nächtliche Hilfe: 2-3x
Präsenzbedarf am Tag: überwiegend

Pflegegrad 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz)

Gesamtwertung mit 70 bis unter 90 Punkten
Grundpflege zwischen 128 und 250 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: häufig bis ständig
Nächtliche Hilfe: 1-6x
Präsenzbedarf am Tag: rund um die Uhr

Pflegegrad 5 – schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder Fähigkeiten und erhöhtem pflegerische Versorgungsaufwand mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz)

Gesamtwertung mit 90 bis 100 Punkten
Grundpflege zwischen 245 und 279 Minuten täglich
Psychosoziale Unterstützung: ständig
Nächtliche Hilfe: 3x und häufiger
Präsenzbedarf am Tag: rund um die Uhr

 

Das erweiterte Spektrum der Einstufung nach Pflegegraden soll für mehr Gleichberechtigung und eine bessere Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf sorgen. Beantragt wird die Erteilung eines Pflegegrades durch einen Antrag bei der Pflegekasse, die nach der Überprüfung durch den Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) unter Zuhilfenahme des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) die Gradierung festlegt. Bei Erstanträgen und Anträgen auf eine Höherstufung kann im Zweifelsfall ein Widerspruch eingelegt werden.

Pflegegrade